Offener Brief zum Mangel an soziokultureller Projektfläche

Wir unterstützen den offenen Brief des AK Freiraum zum Mangel an soziokultureller Projektfläche in Dresden. Wir wollen mehr selbstverwaltete Räume für soziale und kulturelle Projekte!

Offener Brief an die Dresdner Stadtregierung
zum Mangel an soziokultureller Projektfläche

Sehr geehrte Stadtregierung,

Wir wenden uns an Sie, um den offensichtlichen Mangel an Unterstützung für unkommerzielle soziokulturelle Projekte im Raum Dresden zu kritisieren.

Wie wir der Tagespresse der letzten Monate entnehmen mussten, werden in Dresden und Sachsen momentan massiv Mittel für ohnehin unterfinanzierte Projekte gekürzt. Wir nehmen beispielsweise Bezug auf die Kürzung der Jugendhilfe des Landes, die von der Stadt nur zu einem geringen Teil ausgeglichen wird, die Umwälzung der Sende- und Leitungskosten auf die freien Radios in Sachsen durch die Novellierung des Sächsischen Privatfunkgesetzes, sowie die Auflösung der kommunalen Streetworkbüros durch das städtische Jugendamt.
Obwohl die Stadt Dresden sogar auf ihrer Homepage die Notwendigkeit von ehrenamtlichem Engagement hervorhebt, haben es BürgerInnen schwer, sich jenseits städtischer Einrichtungen sozial zu engagieren. Gerade für selbstorganisierte Initiativen und Vereine fehlen erschwingliche Projektflächen und finanzielle Unterstützung. Durch das Fehlen dieser, sowie hoher bürokratischer Hürden, fällt es vor Allem, aber nicht nur, Jugendlichen schwer, ihre Ideen zu verwirklichen.
Auch in städtischen Entwicklungsplanungen wird zuvor genanntes Bürgerengagement meist zugunsten profitorientierter Überlegungen oder etablierter sozialer/kultureller Einrichtungen übergangen.

Verschiedene Bemühungen auf erwähnte Missstände aufmerksam zu machen oder diese zu beseitigen, scheiterten bis zum jetzigen Zeitpunkt an konsequenter Nichtbeachtung durch die Stadt. Hier möchten wir einige Beispiele nennen:
Die „Initiative für ein Soziales Zentrum“ bemühte sich jahrelang darum, teilweise aus privaten Mitteln ein Objekt zur Nutzung durch soziale und kulturelle Gruppen zu erwerben. Im vergangenen Jahr mussten die Beteiligten konstatieren, dass diese Bemühungen aufgrund fehlender Kooperationsbereitschaft städtischerseits in Dresden zum Scheitern verurteilt seien.
Auf mehreren Demonstrationen, beispielsweise der sog. „Nachttanzdemo für alternative Freiräume“ mit bis zu 1200 TeilnehmerInnen, manifestierte sich die Forderung vieler Initiativen nach Projektflächen. Jenseits von starker Polizeipräsenz gab es hierauf keine offizielle Auseinandersetzung mit der Thematik.
Auch das Wächterhausmodell, in Leipzig gut funktionierend, ist bis jetzt trotz des akuten, substanzbedrohenden Leerstandes und des Bedarfs an gestaltbarem Raum hier bis jetzt nicht umsetzbar. Seit über einem Jahr engagiert sich der Verein „HausHalten Dresden“ um sozial nutzbare Flächen zu schaffen und Altbauten zu erhalten. Hier fühlt sich die Stadt ebenfalls nicht zuständig.

Da wir unsere Kritik konstruktiv gestalten wollen, werden wir im Folgenden einige Verbesserungsmöglichkeiten benennen.
1.Es sollte ein ständiger Austausch zwischen der Stadt und lokalen Initiativen ermöglicht werden. Die Bürger müssen bei der Stadtteilentwicklung stärker eingebunden, Planungen transparenter werden.
2.Es ist ein auf kleinere Vereine und Initiativen zugeschnittenes, demokratisches und unbürokratisches Förderprogramm ähnlich dem „Domino“ des „Kulturbüros“ von Nöten. Dieses soll nicht nur auf Einzelprojekte beschränkt sein, sondern auch das kontinuierliche Engagement fördern.
3.Es sollten keine weiteren öffentlichen Immobilien privatisiert werden, sondern die Stadt Verantwortung an der weiteren kulturellen und sozialen Entwicklung übernehmen. Die Bedürfnisse der momentanen BewohnerInnen müssen Vorrang vor der sogenannten „Aufwertung“ eines Stadtteils haben.
4.Menschen jeglichen Alters und jeglicher finanzieller Möglichkeiten sollte gesellschaftliches Engagement und Teilnahme am kulturellen Leben offenstehen. Hierzu müssen in allen Vierteln soziale Zentren geschaffen werden, die Projekten offen stehen. Wichtig sind hierbei geeignete Räumlichkeiten für Werkstätten, Ateliers, Meetings, Musik, Veranstaltungen, etc.

Wir verstehen diesen Brief als Versuch die gemeinsamen Interessen verschiedener Initiativen und Vereine zu bündeln und die genannten Probleme anzugehen. Wir freuen uns auf eine konstruktive Antwort ihrerseits.

Mit freundlichen Grüßen