Archiv für Juni 2009

Was sind eigentlich Finanzhaie?

Oder: Wie funktioniert Kapitalismus?

Die erste Schwierigkeit besteht darin, einen Einstieg in ein gesellschaftliches System von formellen und informellen Macht- und Herrschaftsbeziehungen zu finden. Eine Beschreibung des Bankenwesens wäre eine, die Beschreibung der Genese der bürgelichen Gesellschaft oder des Handels oder der industriellen Produktion wären andere. Zu beachten ist, dass Produktion, Austausch, Zirkulation und Konsumtion Teil eines Ganzen sind. Eine Trennung von Produktions- und Zirkulationssphäre ergibt zunächst einfach keinen Sinn.

Ist Spekulation eine relevante Kraft für den Kapitalismus?
Wer Eigenkapital einsetzt, um unternehmerisch tätig zu sein, will mehr Output als Input; und zwar mehr Output als eine Investition in anderen Bereichen bringen würde. Inhalt der unternehmerischen Tätigkeit ist nicht von Belang, ob nun Solarzellen, Autos, Waffen oder Finanzprodukte.

Ist Gier eine relevante Kraft für den Kapitalismus?
Individuelles Handeln ist greifbar, benennbar und lässt sich in Bezug zu individuellem Handeln anderer setzen. Im Kapitalismus ist jedoch das Handeln von Charaktermasken irrelevant. Gesellschaftliche Verhältnisse konstituieren sich nicht darüber, wer letztendlich in welcher Position seine [sic!] Unterschrift leistet und namentlich benannt werden kann, denn im Kapitalismus ist prinzipiell jede_r austauschbar. Das spezifische Medium des ökonomischen Systems ist nicht Moral. „Gut“, „Böse“, „Tugend“ und „Gemeinschaftssinn“ etc. verweisen auf scheinbar überwundene religiöse Kategorien und räumen persönlichem Handeln eine Bedeutung ein, die es nicht besitzt.

Alles Gerede von „Wir“ und „Die“, ohne exakte Benennungen vorzunehmen konstruiert eine kollektive nationale Identität, die dann beispielsweise sogar noch mit „Ehrlichkeit“ und „Verantwortung“ überhöht wird; Zweck dessen ist die Abgrenzung von „den Anderen“, „den Bösen“, von denen, die nicht dem nationalem Kollektiv angehören, sondern „wurzellos“ sind. In einer Argumentation ist eine Bezeichnung von Menschen als „Heuschrecken“ oder „Haie“ ebenso wie eine Reduktion des Kapitalismus auf „umherziehendes Finanzkapital“ oder „Casinos“ strukturell antisemitisch. Kapitalismus lässt sich einfacher im Kleinen an Beispielen wie Großkonzernen oder Banken erklären, wer auf dieser Ebene stehen bleibt und meint, aus einer Kritik an Banken oder „Finanzhaien“ Heilsversprechen ableiten zu können, hat so Einiges nicht verstanden.

Kreiskonferenz und neuer Vorstand

Am 14. Juni fand die Kreiskonferenz der Falken Dresden statt. Marcus ist nun neuer Vorsitzender. Er wird unterstützt von Franziska, Robert und Karin. An dieser Stelle auch noch mal ein großes Dankeschön an Eric, der sich jahrelang für den Kreisverband engagiert hat